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Die wüste Kirche in Buchholz bei Gerswalde

(Matthias Schulz, Prenzlau)

 

Kirchenruinen üben eine ganz besondere Anziehungskraft aus, tauchen daher auch immer wieder in der Literatur auf. Nicht so die Buchholzer Dorfkirche, die selbst auf Land- und Katasterkarten fehlt. Im Urkataster von 1862 findet sich nur der Flurname "Kirchenberg Stücke".1

Das mittelalterliche Buchholz war offensichtlich eine Fehlgründung. Der leicht erklärbare Name bedeutet „Siedlung am Buchenwald“ (Wauer 1996, 80). 1321 erhält Bauer Warburg für seinen Hof in Beenz als Kriegsentschädigung der Pommernherzöge für ihre Vasallen den „in villa Bucholt“ gelegenen Hof des Greven mit acht Hufen (Enders 1986, 156). Im Landbuch von 1375 wird „Bucholt“ mit 40 Hufen, davon 3 Pfarrhufen, genannt und als „wüst“ bezeichnet (ebd.). Bis 1528 wird der Ort mehrfach als „wüst“ geführt, 1491 als Pfarrdorf mit Kirche, 1507 als Dorf (ebd.). Erst 1702 wird Buchholz mit Pfälzern neu besiedelt, 1744 ist die Kirche am Ende des Ortes wüst, 1784 „ganz wüst“ (ebd.).

 

Abb. 1: Der Friedhof in Buchholz von Nordosten. Die Reste der mittelalterlichen Kirche liegen direkt links neben der großen Eiche. In der Bildmitte zeichnet sich eine leichte Erhebung ab, auf der die Kirche stand. (Schulz 2015)

 

In den „Kunstdenkmälern Templin“ (Jerchel/Eichholz 1937, 72) findet sich eine kurze Beschreibung der Kirchenruine. Mitten auf dem Friedhof (am westlichen Ortsausgang, südlich der Straße) steht auf der höchsten Stelle eine 30–100 cm hoch erhaltene rechteckige, mittelalterliche Kirchenruine, deren Südwestecke gut erkennbar ist. Die Südwand ist 9 m, die Westwand 2,4 m lang.

Heute ist nur noch die Südwestecke der Kirche obertägig erhalten. Man muss schon genauer hinsehen, um sie (vom Friedhofseingang aus gesehen) links neben dem Gefallenendenkmal 1914/18 dicht an einer eindrucksvollen Eiche unter Efeu zu entdecken.

 

 

Abb. 2: Die Reste der mittelalterlichen Kirche liegen direkt links neben der Eiche. Vom größeren hellen Stein ganz links bis zum mit Efeu überwachsenen Mauerrest an der Eiche sind es etwa acht Meter. (Schulz 2015)

 

Ein L-förmiges Feldsteinmauerwerk markiert die Südwestecke der Kirche. Von der ca. 8–9 m langen, komplett unter Efeu versteckten Südwand werden die östlichen fünf Meter von losen Steinen markiert. Von der etwa 4 m langen Westwand wird etwas mehr als der nördliche Meter von losen Steinen gebildet. Wie groß die Kirche war und wie viel originale Bausubstanz (hauptsächlich vom Fundament) noch im Boden erhalten ist, könnte nur durch großflächiges Beräumen und mehrere archäologische Sondageschnitte (kleine Suchgräben) geklärt werden.

Die Südwestecke der Kirche ist noch gut erkennbar. Die Ecke selbst markiert ein lang-rechteckiger Feldstein vom Fundament, dessen westliche (lange) Kante exakt gerade (bearbeitet?) ist. Auf dem bis zu 5 cm vorspringenden Feldsteinfundament liegt eine bis zu 10 cm starke Ausgleichsschicht aus vermörtelten Feldsteinplatten und kleinen Feldsteinen. Von der darauf liegenden ersten Lage der aus vermauerten Feldsteinen bestehenden Kirchenwand haben sich lediglich vier Steinquader der Außenfassade erhalten (Abb. 3). Innen wurden unbearbeitete Feldsteine so gesetzt, dass sie eine gerade Wand ergaben, die verputzt war. Das Kernmauerwerk hat sich hier an einer Stelle einen Meter hoch erhalten, die Südwand ist gut 1,0 m stark.2

Diese unterste Lage des aufgehenden Quadermauerwerks springt bei vielen Kirchen leicht vor und ist an der Oberkante sorgfältig abgeschrägt („Plinte“), in Buchholz fehlt dieser Schmuck. Die Fugen sind innen wie außen stark verwittert, ebenso der Mörtel des Kernmauerwerks.

 

Abb. 3: Die Südwand der Südwestecke der Kirchenruine Buchholzzeigt die typischen Merkmale mittelalterlicher Feldsteinquaderbauten. Der Maßstab ist zwei Meter lang. (Schulz 2015)

 

Die Beschreibung von 1937 und die wenigen heute erhaltenen Mauerreste lassen auf einen einfachen, schmucklosen, unterdurchschnittlich kleinen Saalbau aus dem 13. Jh. (2. Hälfte?) schließen, dessen Ruine offensichtlich im Zuge der Neubesiedlung im 18. Jh. als Steinbruch genutzt und fast vollständig beseitigt wurde. In verschiedenen Gebäuden im Ort sind Feldsteinquader verbaut worden, die zumindest teilweise von der Kirche stammen dürften. Archäologische Nachweise eines mittelalterlichen Ortes fehlen bisher komplett. Die unscheinbare Ruine stellt derzeit den einzigen dinglichen Beleg für das mittelalterliche „Bucholt“ dar – sie wird seit Jahren als Platz für Friedhofsabfall genutzt.

Buchholz ist heute über Rad- und Wanderwege gut erschlossen, der Friedhof hat einen älteren (ungepflegten) Teil mit etlichen interessanten Gräbern. Mit nur wenig Mühe und einer überschaubaren Geldmenge sollte es möglich sein, die Reste der wüsten Kirche zu restaurieren und mit einer Erläuterungstafel zu versehen.

 

Literatur:

L. Enders, Historisches Lexikon für Brandenburg, Teil 8 Uckermark. Weimar 1986.

H. Jerchel / P. Eichholz, Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Kreis Templin. 1937.

S. Wauer, Brandenburgisches Namenbuch. T. 9, Die Ortsnamen der Uckermark. (Weimar 1996).

 

1 Die wüste Kirche ist in der Bodendenkmal-Ortsakte der unteren Denkmalschutzbehörde Uckermark als Fundplatz 4/6(4) mit allen in diesem Artikel verwendeten Fakten registriert.

2 Etliche der 9–10 x 20–25 m großen Feldsteinkirchen der Uckermark weisen auf Fußbodenhöhe Mauerstärken von um 1,20 m oder etwas mehr auf. Die Buchholzer Kirche dürfte demnach kleiner gewesen sein.